Diabetespraxis
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Der Weg...
07. Anwendung
Der Weg...
07. Anwendung
07. Anwendung
Sie sind ja schon bestens ausgerüstet, mit Wissen, Messgerät,
vielen Tipps, vielleicht mit Tabletten oder Insulin - jetzt können
Sie beginnen, dies alles in die Praxis, in Ihren Alltag umzusetzen.
Das wird Sie am Anfang sehr beschäftigen, betrachten
Sie die ersten Wochen ganz bewusst als "Lehrzeit"!
"Komische Blutzucker-Werte" ![]() |
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| Sicher sind Sie sehr neugierig ob und wie das alles funktioniert und die meisten Diabetiker machen in der ersten Zeit sehr viele Blutzucker-Werte. Das ist auch klug, so lernen Sie Ihren Körper und seine Reaktionen besser kennen. | |
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Sie könnten vor jedem Zucker-Messen versuchen, selbst zu schätzen, wie hoch der Blutzucker sein wird. Damit trainieren Sie Ihr Gespür dafür, wie sich Essen, Bewegung, Alltags-Stress auswirken. Und Sie können so herausfinden, wie hoch der BZ ist wenn Sie ihn als "zu hoch" oder "zu tief" spüren. Am Anfang werden Sie mit Ihren Schätzungen oft "daneben" liegen, mit mehr Erfahrung werden Ihre Vorhersagen bestimmt besser, aber Sie werden trotzdem erleben, dass es vereinzelt wirklich "unerklärliche" Werte gibt: Wenn z.B. Ihr Nüchtern-Blutzucker eigentlich immer ganz schön ist, so zwischen 85 und 115 mg%, und Sie messen an einem Morgen plötzlich 176 mg%: nicht gleich erschrecken, zuerst nachdenken: gibt es eine Erklärung für den hohen Wert? Gestern Abend zu viel gegessen? Tabletten oder Insulin vergessen? Erkältung im Anzug? Aufregung, ein Streit spätabends oder in der Nacht? Wenn aber das alles nicht der Fall war - was könnte es dann sein? |
| Nun, hier muss man ehrlich sagen: man kann nicht immer jeden Wert erklären.... zu viele Faktoren beeinflussen den BZ und einzelne "Ausrutscher" sollen Sie nicht aus der Ruhe bringen - Sie sind halt ein Mensch und keine Maschine! Es gibt tatsächlich immer wieder Werte, die logisch nicht zu erklären sind - jeder Diabetes-erfahrene Arzt, jeder "alte Hase" unter den Diabetikern wird Ihnen das bestätigen. | |
| Andererseits dürfen lauter "unerklärliche Werte" keine Ausrede werden für eine tatsächlich schlechte Einstellung.... Faustregel: ein bis zwei "Ausreißer" in 2 Wochen ignorieren und weitertun wie gewohnt (bzw. hohe Werte korrigieren, wenn Sie schon die Möglichkeiten dafür haben). Wenn's mehr wird oder wenn Sie ernstlich beunruhigt sind: Kontakt aufnehmen mit Ihrem Arzt! | |
| Hypos | |
| Davor hat sicher jeder am Anfang am meisten Angst - vor dem Hypo, der "Unterzuckerung", also dem "zu tiefen" Blutzucker. Recht schnell hört man Schauergeschichten von Diabetikern, die irgendwo "einfach umgefallen" sind, weil der BZ zu tief war... wenn Sie genauer nachfragen, werden Sie feststellen dass die meisten dieser Geschichten Hörensagen über viele Ecken sind, oder vor vielen Jahren passiert sind. | |
| Heute ist das alles sehr sehr selten geworden - und als Typ 2 Diabetiker am Beginn der Behandlung werden Sie entweder überhaupt keine, oder nur leichte Unterzuckerungen spüren. Sie haben ja die Warnzeichen in der Schulung gehört: Hunger, komisches Gefühl im Magen, leichte Übelkeit, Zittern, Schwitzen, Bamstigkeit um den Mund... und wissen, dass Sie dann Traubenzucker nehmen sollen, dann geht's in der Regel schnell vorbei. | |
| Darüber sprechen, dass Sie Diabetiker sind | |
| Vielleicht überlegen Sie hin und her, wem Sie es denn nun sagen sollen, dass Sie nun Diabetiker sind. Ihre engere Familie weiß sicher schon Bescheid; ob Sie es Ihren Freunden und den Kollegen in der Arbeit erzählen, bleibt Ihnen überlassen. Lassen Sie sich Zeit, bis Sie ein wenig sicherer geworden sind. Einerseits müssen Sie Ihren Dienstgeber nicht vom Diabetes informieren, andererseits wird es immer selbstverständlicher, Menschen zu sehen, die BZ messen und Insulin spritzen, in der U-Bahn, in Cafes und Restaurants, natürlich auch in Betrieben. Es mag aber Jobs geben, wo Sie als Diabetiker schief angesehen werden oder wo man Ihnen schnell Entscheidungs- und Führungs-Fähigkeiten besprechen will. Vielleicht möchten Sie dazu erst noch ein paar Erfahrungs-Berichte lesen, wie sie z.B. auf www.diabeticus.de zu finden sind. | |
| Meine Erfahrung ist, dass jeder Diabetiker recht bald einen weiteren neuen selbst entdeckt und den oder die dann oft zu uns mitbringt - Sie kennen nun die Symptome und Ihr cooles Messgerät erregt Interesse. Sie werden sehen, dass Sie immer wieder gebeten werden, anderen den BZ zu messen! Das können Sie auch gerne tun, solange Sie die tiefen Werte Gesunder nicht als Ihre eigenen ins Tagebuch schreiben ;-) ! Und ich würde Ihnen empfehlen, im Familienkreis mit dem Blutzucker-Messen vorsichtig zu sein und besonders Ihre Kinder nicht zu stechen, außer die wollen das unbedingt einmal ausprobieren - dann sollte es aber auch bei sehr seltenen Malen bleiben. Sie sind Partner oder Partnerin, Mutter oder Vater, Bruder, Schwägerin, Freund.... aber nicht der Arzt von Familie und Freunden! | |
| Was tun bei falscher Tabletten-Einnahme? | |
| Wenn Sie einmal Ihre Zucker-Tabletten vergessen haben, passiert meist gar nichts - der Körper kann das ausgleichen und die Werte ändern sich kaum. Machen Sie einfach weiter wie gewohnt, nicht die Einnahme nachholen! | |
| Wenn Sie versehentlich zu viele Tabletten geschluckt haben, kommt es ganz darauf an, welche das sind: Medikamente, die den Insulin-Spiegel erhöhen, wie die Sulfonylharnstoffe, können bei Über-Dosierung Hypoglykämien, Unterzuckerungen hervorrufen - auf jeden Fall an diesem Tag engmaschig den Blutzucker kontrollieren (jede Stunde!) und am besten mit Ihrem Arzt Kontakt aufnehmen. Wenn Sie sehen, dass die BZ-Werte nach unten gehen, ist's Zeit für Topfengolatsche oder Sachertorte! Weiter kontrollieren bis zu dem Zeitpunkt, wo die Wirkung der Tabletten abgeklungen ist (im Allgemeinen nach ca. 12 Stunden). | |
| Es gibt sicher noch viele Fragen, die Sie als Zucker-Neuling in der ersten Zeit beschäftigen werden - einiges finden Sie hier auf der Homepage beantwortet, oder Sie schauen auf Diabetes-Seiten im Internet. Eine gute Möglichkeit, zu lernen und Fragen zu stellen, ist das Forum von Diabetesinfo.de, wo auch Anfänger-Fragen nett, schnell und kompetent von erfahrenen Diabetikern beantwortet werden. Patienten aus meiner Praxis bitte ich, alle nicht ganz dringenden Fragen per Mail an uns zu stellen, wir werden uns bemühen, Ihnen bald zu antworten. |


