Der Weg...
10. Anwendung
10. Anwendung
Die Zeit zwischen den Kontrollen ist fast schon Routine geworden -
Sie leben Ihren Alltag nun "mit" dem Diabetes
Sie können nun schon gut einschätzen,
wie sich der Blutzucker an ganz normalen Arbeits-Tagen
verhalten wird und wie am typischen Wochenende.
Da wird das Blutzucker-Messen und -Aufschreiben schon einmal eine lästige Pflicht und sie vergessen das eine oder andere Mal. Nichts liegt dann näher, als ins Bücherl "halt den Wert den ich immer habe" zu schreiben anstatt das Kästchen einfach leer zu lassen... und etwas später passiert es einmal, dass Sie anstatt der sonstigen guten Werte 250mg% messen, und Sie wissen genau, das ist auf die Torte zum Nachmittagskaffe bei Bekannten zurückzuführen - und "das ist ja eine Ausnahme, und sonst passiert so was nie" - und hast dus nicht gesehen, wird "150" eingetragen statt der tatsächlichen "250"... und das Bücherl, das sie zum Arzt mitbringen, verdient dann eher den Namen "Märchenbuch" statt "Tagebuch"...
Sagen Sie bitte nicht, das könnte Ihnen nicht passieren - es ist nur zu menschlich, "schöne" Werte herzeigen und ein angenehmes Gespräch mit dem Arzt haben zu wollen.
Weil ich das weiß, und weil ich selbst auch schon "geschwindelt" habe, wenn ich mir bei Abnehm-Versuchen Kalorien-Werte notieren wollte, bitte ich meine Patienten immer, auch das Messgerät mitzubringen. Ein Blick in den Speicher und ein kurzer Vergleich ob die Werte im Messgerät denen im Bücherl entsprechen, ist kein Zeichen von Misstrauen Ihnen gegenüber, sondern es soll uns nur beide sicherer machen, worüber wir da eigentlich reden. Denn Ihre Erfahrungen und Ihre Aufzeichnungen sind das wichtigste Material, mit dem wir beim "Zucker-Einstellen" arbeiten, das HBA1c gibt ja nur eine Durchschnitts-Wert wieder und sagt z.B. nichts darüber aus, wie stabil oder labil die Zucker-Verläufe wirklich sind.
Je mehr Notizen Sie in Ihrer Aufzeichnungen machen, desto besser können wir damit arbeiten - schreiben Sie die "Extra-Nachmittags-Torte" doch einfach dazu! Wenn Sie nicht gemessen haben, bleibt der Platz frei - das ist immer viel besser als ein "erfundener" Wert. Scheuen Sie sich nicht vor ehrlichen Einträgen, ich habe schon alles Mögliche gesehen: "böser Streit mit XY"...."Stelze im Schweizerhaus!!!" ... Konditorei XY, o je!! "1 Packung Mozartkugeln (groß)"... " Insulin wahrscheinlich vergessen"..."Tochter bei Nachprüfung durchgefallen"...."Scheídungsverhandlung"...
Wenn sich etwas Wichtiges in Ihrem Leben ändert, wenn Sie z.B. plötzlich zu anderen Zeiten arbeiten müssen oder Nachtdienst machen, oder wenn bei einer Krankheit oder starken persönlichen Belastung die Blutzucker-Werte steigen, zögern Sie bitte nicht, Ihren Arzt anzurufen. Ich kann mit meinen Patienten viele kleinere Fragen und Probleme schon am Telefon lösen - bei gutem Grundwissen, mit Messgerät und regelmäßigem Kontakt sind auch schwierigere Situationen meist gut zu meistern!