Insulin zum Essen
Diese schnelle Insulinfreisetzung ist bereits früh im Krankheitsverlauf des Diabetes mellitus Typ 2 (häufig schon bei der Diagnosestellung) schwer eingeschränkt. Um dies auszugleichen, spritzen viele Diabetiker schnell wirkendes Insulin zu den Mahlzeiten.
Bei drei Hauptmahlzeiten wird dann eben dreimal täglich ein kurzwirksames Insulinpräparat vor der Mahlzeit gespritzt.
Diese sogenannte prandiale Insulintherapie hat den Vorteil, dass die
Insulinmenge dem gemessenen Blutzucker angepasst wird und allfällig erhöhte
Blutzuckerwerte korrigiert werden können - und ein Diabetiker, der gut über
den BE-Gehalt seines Essens Bescheid weiß kann selbständig die zu spritzende
Insulin-Dosis der jeweiligen Mahlzeit und dem gemessenen Blutzucker anpassen.
Die Mahlzeiten können zeitlich flexibel eingenommen,
vergrößert, verkleinert oder auch ausgelassen werden.
Damit ist es auch möglich, bei Festen mit den anderen zu essen,
auch einmal Süßes oder Mehlspeisen - ohne dass der Blutzucker danach alllzu
hoch ansteigt! Allerdings muss man dann wissen, wie viele Broteinheiten im Essen
enthalten sind - das ist aber nicht schwer zu erlernen!
Unterzuckerungen sind bei der prandialen Insulintherapie selten, da nur kurzwirksame Insulinpräparate zu den Mahlzeiten gespritzt werden. Natürlich sollte der Patient zu jeder Mahlzeit auch Kohlenhydrate essen.
Für die prandiale Insulintherapie stehen verschiedene kurz wirksame Insulin und
Analoga zur Verfügung. Ob herkömmliches Normalinsulin oder ein
kurzwirksames Insulinanalogon verwendet wird, hängt vor allem von den Bedürfnissen
des Diabetikers ab. Ist ein Spritz-Ess-Abstand erwünscht oder bevorzugt der
Patient die Einnahme kleiner Zwischenmahlzeiten, kann man gut Normal-Insulin
verwenden.
Sofern der Diabetiker die Insulininjektion lieber direkt vor der
Mahlzeit durchführt und auf Zwischenmahlzeiten verzichten möchte, empfehle ich
eher den Einsatz von kurzwirksamen Insulinanaloga. Die kurzwirksamen
Insulinanaloga haben gegenüber Normalinsulin den Vorteil, dass weniger Hypoglykämien
auftreten und der Blutzuckeranstieg nach dem Essen besser kontrolliert werden kann.
Die Behandlung kann mit einem einfachen Schema begonnen werden, bei welchem die Insulindosis in Abhängigkeit des Blutzuckers vor der Mahlzeit variiert wird.
Dieses Schema erarbeite ich mit dem
Patienten: er bekommt die genaue Liste mit und kann so erste Erfahrungen machen.
Sehr schnell lernt man abschätzen, wie der Blutzucker regieren wird, und kann
die Insulin-Dosis selbst bestimmen.
Typischerweise ist aber beim Typ-2-Diabetes die Glukoseproduktion der Leber v.a. in
der Nacht erhöht. Hinweis für eine vermehrte nächtliche Glukoseproduktion der
Leber ist ein erhöhter nüchtern gemessener Morgenblutzucker - und dann braucht
der Diabetiker doch zusätzlich noch langwirkendes Insulin.
